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Nr. 193, 2018, Juni / Juli Inhalt
 
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Astro-logische Merk-Würdigkeiten
 

Familien in Zeiten des Umbruchs
 

von Barbara Egert
 


 

In jeder Familie gibt es unsichtbare Stolpersteine. Berührt man sie, folgt ein Donnerwetter oder stumme Verachtung. Besser also, man schliesst die Türen leise und hält sich an die Tischsitten. Fenster haben Gardinen, weil man so lüften und gleichzeitig die neugierigen Blicke der Nachbarn fernhalten kann. Im Laufe des Lebens entsteht eine lange Liste von Ge- und Verboten, ein familiärer Kodex. Derlei liebt Saturn. Doch was er partout nicht ausstehen kann, ja fürchtet, das ist die Pubertät. Da geht nämlich alles drunter und drüber. Gesetze werden verhöhnt, Moral verlacht. Jeden Tag erprobt das vom uranischen Virus befallene Kind neue Grenzüberschreitungen, lehnt sich auf gegen bewährte Regeln, schwärmt für Jeans mit Löchern und färbt sich die Haare mal rosa, mal grün.

Reicht das noch nicht, zeigt Merkur ihm das elterliche Versteck der verbotenen Bücher. Es ist zum Verzweifeln, wenn der Sohn sich scheinheilig bei seinem Vater nach dem dritten Hauptsatz der Thermodynamik erkundigt, sehr wohl wissend, dass der nicht mal weiss, was Newton’sche Axiome sind. Und auch die Mutter ist entsetzt, wenn der Sohn Travestiekünstler werden möchte, anstatt sich für eine angesehene akademische Ausbildung zu interessieren. Oder der nette Kleine, der er mal war, aber um keinen Preis der Welt mehr sein will, erkundigt sich bei Pluto, wie man jemanden ausschalten kann, der die neue Freundin beleidigt hat. Nein, nicht die von vorgestern, sondern die neue, die einen total versteht.

Bei einigen ist der radikale Pluto schon früh zu spüren, als tyrannisches Geschrei aus dem Kinderzimmer, als ewiges Zetern, wenn es gilt, die Pläne der übrigen Familie zu sabotieren, als kompromissloses Aufbegehren gegen die «unmöglichen» Eltern. Vorsicht bei frühreifen Plutoniern: Der Ärger mit jeder Obrigkeit ist vorprogrammiert. Ein hoch explosives Duo ist die Koalition von Mars und Pluto: Rette sich, wer kann, es wird Ärger geben!

Die Augen der anderen, das lernt man schon früh, sind ungemein wichtig, um unterscheiden zu können, was dem Ansehen der Familie dient oder «nur» Vergnügen bereitet, das man auf später verschieben sollte. Sie registrieren, ob aus einem «was wird». Sie taxieren das Auf und Ab der gesellschaftlichen Stellung, ihnen entgeht weder der vernachlässigte Garten noch das ungewaschene Auto. Saturn wacht über die Einhaltung gesellschaftlicher Konventionen, das ist seine Lieblingsbeschäftigung. Ohne ihn, meint er, würden wir uranisch abschwirren, mit Jupiter über die Stränge schlagen oder uns von Venus zu allem Möglichen verführen lassen, das wir später bereuen werden. – Wie gut nur, dass er nicht allein unser Horoskop dominiert.

Kindliche Vorbilder und Idole sind zum Entsetzen der Eltern stets völlig anders als ihre eigenen. Sie vergessen, dass auch sie mal jung waren und vielleicht für, nun ja, Donald Duck schwärmten. Dass der keinen geregelten Beruf ausübte, machte ihn besonders interessant, da man ja selbst auch lieber als Pilot oder Mannequin durchs Leben düsen und nicht ständig vor späterer Verelendung gewarnt werden wollte. Und man verachtete Dagobert Duck, den unermesslich reichen Kapitalisten. So wollte man nie werden.

Nicht nur in der Pubertät, auch in späteren Zeiten des Umbruchs, in der Mitte des Lebens etwa, merken manche irgendwann entsetzt, wie sehr sie die Welt nur noch durch die Augen der anderen wahrnehmen, wie sie sich selbst immer fremder werden und endlich wissen wollen, wer sie denn nun wirklich sind. Das bisherige Leben kann doch noch nicht alles gewesen sein! Das Familienschiff stoppt, man wirft als erstes Saturns Empfehlung nivellierter Höhen und Tiefen über Bord.

Höchste Zeit, sich all der Eigenschaften zu erinnern, die man auch noch in sich hat. Die Worte versagen, wenn man seiner Familie und Freunden erklären will, was sich in einem abspielt. Der einst so beredte Merkur wird sprachlos. Es ist, als stünden auch die anderen Sterne still. Kein Sinn erscheint, Jupiter schweigt. Auch von Uranus kein verlockender Plan. Selbst Venus fällt nichts mehr ein. Was hat man aus all seinen Träumen gemacht? Aber ist es denn jemals zu spät, sich an sie zu erinnern, sich von ihnen inspirieren zu lassen? Pluto rät zu einer radikalen Wandlung und erinnert an einen Kurzfilm, in dem er das erste und einzige Mal gesprochen hat: «Kiss me!» – Wenn das kein Neubeginn ist …!    


Barbara Egert, geprüfte Astrologin DAV, jahrzehntelange Astrologieerfahrung; Bücher: «Astro-logische Merkwürdigkeiten – Kolumnen» (2017, nur bei Amazon erhältlich), «Wenn die Kindheit Schatten wirft: Beziehungen, Hochsensibilität, Narzissmus» (2014), «Hochsensibilität im Horoskop» (2012), «Krisen im Horoskop erkennen» (2011), «Kindheitserfahrungen im Horoskop» (2009); ständige Mitarbeiterin von ASTROLOGIE HEUTE, E-Mail: Barbara Egert

 

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