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Nr. 194, 2018, Aug. / Sept. Inhalt
 
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Astro-logische Merk-Würdigkeiten
 

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut
 

von Barbara Egert
 


 

Edel, hilfreich und gut – ja wer wäre das nicht gern!? Doch die Verhältnisse, die sind nun mal nicht so, unsere Güte zu beflügeln. Denn die makellosen Gegenstände aus Plastik mit Edelstahl-Look, die man uns anpreist, sind weder edel, hilfreich noch gut, sondern voller Tücken, Sollbruchstellen und grotesken Gebrauchsanweisungen. Die tiefere Bedeutung von «Drücken Sie die Taste X, wenn Sie mehr über Y erfahren möchten, und bestätigen Sie das mit Z» erschliesst sich einem erst, wenn sich das Hilfefenster öffnet, aus dem uns ein liebenswürdiger Chinese zulächelt: «Anderer Leute Fehler sind gute Lehrer.» Was meint er damit? Am besten ist, man lächelt zurück: «Alle Dunkelheit der Welt kann das Licht einer einzigen Kerze nicht auslöschen.»

Ja was erwarten wir denn von heutigen Produkten? Dass sie ein Leben lang halten? Selbst konservativste Saturnier lernen, mit dem Verfallsdatum zu leben. Klamotten sind was für eine Saison, dann weg damit, meint auch die uranisierte Venus. «Es ist doch sowieso alles nur ein Spiel», stimmt Merkur ihr zu. Er lächelt heute so zweideutig. Hat er etwa auch einen chinesischen Spruch auf Lager? «Die Weisheit des Lebens besteht im Ausschalten unwesentlicher Dinge.» Meint er mich damit? Sollte ich die Kolumne straffen? Eh ich ihn fragen kann, ist er auf und davon. Saturn murmelt: «Alles nicht so schlimm.» Das sagt er stets, wenn er seine konfliktscheue Phase hat.

Allezeit hilfreich sein? Ist es eigentlich noch kollegial, wenn ein Mitarbeiter einen um etwas bittet, das unsere Grosszügigkeit überstrapaziert? «Ach, Sie machen Urlaub in Jerez de la Frontera? Wäre es Ihnen möglich, mir zwei Flaschen Amontillado-Sherry mitzubringen?» Gleich zwei? Wie kommt er dazu, mir das zuzumuten!? Manchmal wirke ich sehr lieb und werde in die entsprechende Schublade gesteckt. Ärger keimt in mir auf, und ich denke (manchmal sage ich es auch): «Warte ab, bis du meinen Mars kennenlernst! …» Dieser Kollege missbraucht meine Gutmütigkeit mit einem so falschen Lächeln, dass ich selbst so zweideutig wie möglich zurücklächle (Mars verhält sich gerade eben noch zivilisiert). Nicht ganz so edel allerdings wie der Edle im I Ging: «Sieht er Gutes, so ahmt er es nach, hat er Fehler, so legt er sie ab.»

Ist der «gute Mensch», wirklich so nachahmenswert? Er «übersieht» nämlich grundsätzlich alles, was er nicht wahrhaben möchte. Und zwar konsequent! Ein grosses Rätsel, da Neptunier nicht gerade für konsequentes Handeln berühmt sind. Doch was das Vertuschen all dessen angeht, was ihnen peinlich sein könnte, darin entwickeln manche eine ebenso grosse Meisterschaft wie in der Kunst, alles in der Schwebe zu lassen. «Willst du diese Frau nun heiraten oder nicht?» – «Nun, einerseits schon, aber dann auch wieder nicht …». Andere hauen mit der Hand auf den Tisch – sie würden das so direkt nie tun. Ist es ein Wunder, wenn einem «gute» Menschen manchmal schrecklich auf die Nerven gehen?

Und wie sollte man denn nun sein? Eigentlich ist man doch ein guter Mensch, fügt keinem ein Leid zu, versucht sich im «Alles verstehen, alles verzeihen». Doch dann heisst es, man leide unter Entscheidungsschwäche, ja sei harmoniesüchtig. Oder schlimmer noch – aussen hui, innen pfui! Es geht das Gerücht, in manch einem habe sich Pluto mit Tarnkappe versteckt. Auch Neptun mit Schleifchen und Rüschen schafft nur Missverständnisse, wenn er es allen recht machen will mit seinem: «Irgendwann, irgendwie, irgendwo». Ist er der heimliche Herrscher des Reichs der Mitte? Von China lernen, heisst lächeln lernen. Vieldeutig, zweideutig, eindeutig? Egal! Hauptsache lächeln …

Goethe meint zwar: «Wer die Sterne fragt, was er tun soll, ist gewiss nicht klar über das, was zu tun ist.» Nicht gerade eine astrologische Ermunterung! Sein alles idealisierender Jupiter sieht die Welt konjunktivisch: Dass der Mensch edel und hilfreich und gut sei, heisst ja noch lange nicht, dass er es auch ist. Und wie würde der Meister sich heute über die Niederungen unserer schnöden Warenwelt erheben? – Was für eine Frage! Lachend würde er vom Olymp herab antworten: «Alles ist, wie es ist, und wie es ist, ist es gut.»

«Am 28. August 1749, mittags mit dem Glockenschlage zwölf, kam ich in Frankfurt am Main auf die Welt. Die Konstellation war glücklich: Die Sonne stand im Zeichen der Jungfrau und kulminierte für den Tag; Jupiter und Venus blickten sie freundlich an, Merkur nicht widerwärtig, Saturn und Mars verhielten sich gleichgültig …»

Na, da kann ja nichts schiefgehen …!?    


Barbara Egert, geprüfte Astrologin DAV, jahrzehntelange Astrologieerfahrung; Bücher: «Astro-logische Merkwürdigkeiten – Kolumnen» (2017, nur bei Amazon erhältlich), «Wenn die Kindheit Schatten wirft: Beziehungen, Hochsensibilität, Narzissmus» (2014), «Hochsensibilität im Horoskop» (2012), «Krisen im Horoskop erkennen» (2011), «Kindheitserfahrungen im Horoskop» (2009); ständige Mitarbeiterin von ASTROLOGIE HEUTE, E-Mail: Barbara Egert

 

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