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Die Wiederkehr des Bösen
5. Februar 2002

Rechtzeitig zur Saturn/Pluto-Opposition ist das Böse wieder da. Unter einem Transit des rückläufigen Merkur mit dem laufenden Neptun auf dem absteigenden Mondknoten der USA hat es George W. Bush wiederentdeckt. In seiner Rede vom 29. Januar 2002 identifizierte er eine "Achse des Bösen" und bezeichnet auch gleich die Staaten, die zu dieser üblen Gruppe gehören: Irak, Iran und Nordkorea. Früher wurden diese Länder lediglich als Schurkenstaaten bezeichnet; inzwischen hat sich deren Wertigkeit offensichtlich erhöht. Damit geht Bush auf Kollisionskurs mit Russland, denn diese Staaten sind alte russische Freunde, die Russland regelmässig Besuche abstatten. Noch letzte Woche erklärten sich bei einem Besuch des irakischen Vizepremiers Tarek Aziz in Moskau sämtliche russischen Stellen und damit praktisch die ganze Nation solidarisch mit Bagdad. Dementsprechend warnte das russische Aussenministerium "Russland akzeptiert keine Ausweitung der antiterroristischen Aktionen auf einen anderen Staat, auch nicht auf den Irak". Der nordkoreanische Führer seinerseits hat noch letzten Sommer Russland besucht, und es wurde dabei eine neue "strategische Allianz" zwischen den einstigen kommunistischen Bruderstaaten verkündet. Mit dem Iran laufen von Seiten Russlands zahlreiche Rüstungsverträge, und das Land ist ein wichtiger Abnehmer russischer Technologie. Nach einer Phase der Eintracht im Anschluss an die Terroranschläge ist somit zwischen Russland und Amerika Zoff vorprogrammiert.

Sämtlichen Beobachtern ist auch klar, dass Bush mit seiner Rede (Fig. 1) an Ronald Reagan’s "Reich des Bösen" anknüpft, eine Bezeichnung, die dieser anlässlich eines Vortrags vom 8. März 1983 vor der "National Association of Evangelicals" hielt. Der Termin ist astrologisch interessant. Damals gab es eine Saturn/Pluto-Konjunktion, die im November 1982 exakt geworden war, und nun haben wir zwischen beiden Planeten eine Opposition, die ihre Exaktheit am 5. August und am 2. November 2001 errreichte, eine Stellung, die sich nochmals am 26. Mai ereignet.

Glücklicherweise hatte Ronald Reagan im Kontakt mit Gorbatschow dann in der zweiten Hälfte der Achziger Jahre die späte Einsicht, dass die Sowjetunion nicht mehr das Reich des Bösen symbolisiere. Dazu trug allerdings seine Astrologin Joan Quigley, die auch seine wichtigsten Termine mit Gorbatschow festlegte, massgeblich bei. Noch vor dem ersten Treffen mit Gorbatschow in Genf 1985 meinte Nancy, Ronald Reagan’s Ehefrau "Gorbatschow ist ein schrecklicher Mann... diese russischen Führer sind praktisch wie Gangster. Ronnie wird entsprechend mit ihm umgehen müssen.1  
Es brauchte sehr viel geduldige Bearbeitung durch Nancys Astrologin, um Ronald Reagan und seine Frau von ihrem katastrophalen Bild von der Sowjetunion und Michael Gorbatschow abzubringen.

Nun haben wir es mindestens im Falle des Iraks und Nordkoreas gewiss nicht mit reifen Leadern wie Michael Gorbatschow zu tun, die eine Beendigung gegenseitigen Wettrüstens anstreben. Es stellt sich lediglich die Frage, ob das Vorgehen von George W. Bush durch Brüskierung der Sowjetunion nicht ein übermässiges Risiko beinhaltet. Bekanntlich erschafft man sich durch entsprechendes Verhalten auch schnell einmal Feinde, wo man noch keine hatte. Dazu sind die Konstellationen in beiden Horoskopen, der Rede George W. Bushs über die "Achse des Bösen" (Fig. 1) und jener Ronald Reagans über das "Reich des Bösen" (Fig. 2) recht sprechend. In beiden Fällen haben wir eine gespannte Konstellation zwischen Saturn, Pluto und Lilith, wahrscheinlich eine jener Konstellationen, welche das Motiv des Schattens am schärfsten auf den Plan bringen.

In Astrologie Heute Nr. 95 (Febr./März 2002) bringen wir eine Zusammenfassung des 1987 im Beltz-Verlag (Psychologie Heute) erschienenen, inzwischen leider vergriffenen Buches von Sam Keen "Bilder des Bösen: Wie man sich Feinde macht". In diesem Buch wird beschrieben, wie wir den Feind nicht nur "finden", sondern auch "erfinden". Sam Keen dazu: "Im Anfang erschaffen wir uns den Feind. Vor der Waffe explodiert unsere Fantasie: Zuerst denken wir andere zu Tode und erfinden dann die Streitaxt oder die Raketen, um sie auch tatsächlich zu töten." Es wird im Weiteren beschrieben, wie wir den Feind entmenschlichen, um ihn besser umbringen zu können. Dabei kommt den Saturn/Pluto-Aspekten eine besondere Bedeutung zu.

Offenbar stand auch Ariel Sharon, der israelische Premierminister, unter dem Zwang des Saturn/Pluto-Zyklus, als er in einem am 31. Januar veröffentlichten Interview erklärte, er bereue es, Arafat 1982 nicht umgebracht zu haben. Damals war im Juni, nur wenige Monate vor der Saturn/Pluto-Konjunktion Israel in den Libanon einmarschiert und hatte die Palästinenser mit Yassir Arafat eingekesselt, bis ihnen dann im August das Verlassen des Landes und die Reise ins tunesische Exil erlaubt wurde. Auf jene Zeit geht auch das Massaker an Palästinensern durch christliche Milizen in den Flüchtlingslagern von Sabra und Shatila unter den Augen der israelischen Besatzungstruppen zurück, bei welchem über 1000 palästinensische Flüchtlinge, vor allem Kinder, Frauen und Greise, ermordet wurden. Den Oberbefehl über die israelischen Truppen hatte damals Ariel Sharon, was ihm den Übernamen des "Schlächters von Beirut" einbrachte. Wegen jener Vorgänge muss er zur Zeit Brüssel meiden, weil ihm dort der Prozess gemacht werden könnte. Allerdings ist im Januar sein Hauptbelastungszeuge im Libanon einem Attentat zum Opfer gefallen, so dass es fraglich ist, ob genügend Belastungspunkte und Zeugen gegen ihn vorgebracht werden können. Dass bei solchen Themen in seinem Horoskop zur Zeit Saturn/Pluto-Verbindungen im Vordergrund stehen, ist nur verständlich: Die im Mai auf 17 Grad Zwillinge/Schütze stattfindende Saturn/Pluto-Opposition wird exakt auf seiner Mondknoten/Saturn-Opposition stattfinden (siehe Fig. 3). Fühlt er sich dann am Ziel, oder erlebt er bis zu diesem Zeitpunkt den Zusammenbruch seiner Ambitionen?2

 

Das Problem mit Saturn/Pluto-Aspekten liegt darin, dass derjenige, der den Gegner als "böse" brandmarkt, von der Gegenseite genau so gesehen wird, so dass sich daraus ein endloser Kampf ergibt, bei welchem Aussenstehende häufig Mühe haben, zu erkennen, bei wem die Hauptverantwortung für den entstandenen desolaten Zustand liegt. Natürlich ist das Problem nicht neu, und das uralte chinesische Weisheitsbuch des I Gings bringt das Thema auf eine nach wie vor zeitgemässe, erfrischende Art zum Ausdruck:

"Für den entschlossenen Kampf des Guten zur Beseitigung des Bösen gibt es aber bestimmte Regeln, die nicht ausser acht gelassen werden dürfen, wenn man Erfolg haben will:

  1. Entschlossenheit muss auf einer Vereinigung von Stärke und Freundlichkeit beruhen.
  2. Ein Kompromiss mit dem Schlechten ist nicht möglich; es muss unter allen Umständen offen diskreditiert werden. Ebenso dürfen auch die eigenen Leidenschaften und Fehler nicht beschönigt werden.
  3. Der Kampf darf nicht direkt durch Gewalt geführt werden. Wo das Böse gebrandmarkt ist, da sinnt es auf Waffen, und wenn man ihm den Gefallen tut, es Schlag gegen Schlag zu bekämpfen, so zieht man den kürzeren, weil man dadurch selbst in Hass und Leidenschaft verwickelt wird. Darum gilt es, beim eigenen Haus anzufangen: Persönlich auf der Hut zu sein vor den gebrandmarkten Fehlern. Dadurch stumpfen sich die Waffen des Bösen von selbst ab, wenn sie keinen Gegner finden. Ebenso dürfen auch eigene Fehler nicht direkt bekämpft werden. Solange man sich mit ihnen herumschlägt, bleiben sie immer siegreich.
  4. Die beste Art, das Böse zu bekämpfen, ist energischer Fortschritt im Guten."3 

Fussnoten:
1 What Does Joan Say? – My Seven Years as White House Astrologer to Nancy and Ronald Reagan", JoanQuigley 1990, Carol Publishing Group New York

2 Die offizielle Zeit für Ariel Sharon ist 07.30 Uhr am 27. Februar 1928 in Jehud, IL  Mir liegt auch eine 2001 im Mountain Astrologer publizierte Korrektur auf 07.49 Uhr vor

3 Das Zeichen 43 GUAI/Der Durchbruch (die Entschlossenheit) I Ging, das Buch der Wandlungen, Buchklub Ex Libris, Seite 163, Lizenzausgabe von 1972, Eugen Diderichs Verlag

-cw

 

Bush über die "Achse des Bösen"

Fig. 1
Bush über die "Achse des Bösen"

29.1.2002, 21.12 LT 
Washington, USA (38.57 N, 77.06 W)
Koch


Reagan über das "Reich des Bösen"

Fig. 2
Reagan über das "Reich des Bösen"

8.3.1983
Orlando, USA  (28.32 N, 81.22 W)


Ariel Sharon

Fig. 3
Ariel Sharon

27.2.1928, 5.30 GT
Yehud, IL (32.02 N, 34.53 E)
Koch

 


 

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